Darf ich bei dir einziehen?“ – Fünf Fragen zu tierischen Mitbewohner:innen im Klimagarten

Zwischen Salat, Grashaufen, Blumenbeeten und Zweigen ist im Klimagarten am Findorffer Ahnewehrweg jede Menge los. Wer genau hinschaut, entdeckt dort Schnecken, Asseln, Blattläuse, Hummeln, Vögel – und manchmal sogar einen Igel. Mit dem Projekt „Darf ich bei Dir einziehen?“ lädt die Klimazone Findorff Kinder, Jugendliche und Familien dazu ein, die kleinen und größeren Mitbewohner:innen des Gartens kennenzulernen und ihre Lebensräume besser zu verstehen.

Wir haben mit Garten- und Landschaftsplanerin Ilga Keßling gesprochen. Sie leitet das Projekt und erklärt, warum es sogenannte „Schädlinge“ eigentlich gar nicht gibt, was Kinder im Klimagarten entdecken können und warum ein Garten nicht zu ordentlich sein sollte.

1. Ilga, worum geht es bei „Darf ich bei dir einziehen?“?

Bei dem Projekt geht es um alle Lebewesen, die im Klimagarten wohnen. Wir schauen gemeinsam mit den Kindern: Was braucht ein Tier oder Lebewesen zum Überleben? Wo lebt es? Was frisst es? Und warum ist es wichtig?

Manchmal geht es dabei auch um Tiere, die an unserem Gemüse knabbern – also um das, was oft als „Schädling“ bezeichnet wird. Aber eigentlich ist das zu kurz gedacht. Wenn Insekten oder Schnecken unseren Salat fressen, können wir auch darüber sprechen, was das bedeutet: Der Salat ist nicht gespritzt und nicht behandelt. Am Ende geht es um die Kreisläufe der Natur. Jedes Lebewesen hat darin seinen Platz.

2. Welche Tiere entdecken die Kinder im Klimagarten?

Da gibt es eine ganze Menge zu entdecken. Die Kinder suchen nach Spuren und schauen genau hin: Wo krabbelt etwas? Wo wurde ein Blatt angeknabbert? Welche Tiere leben im Grashaufen, im Beet oder im Holz?

Wir haben zum Beispiel Schnecken, Asseln, Blattläuse, Marienkäferlarven, Hummeln, Wildbienen und Vögel im Garten. Auch ein Igel war schon da. Besonders schön war ein Moment nach einem Theaterstück über „Kalle, den Klimaigel“. Die Kinder fragten, ob es hier auch echte Igel gibt. Kurz darauf wurde es plötzlich ganz still – und tatsächlich lief ein Igel durch den Garten.

3. Viele Menschen ärgern sich über Schnecken, Blattläuse oder andere Tiere im Garten. Wie geht ihr damit um?

Natürlich kann man als Gärtnerin auch mal die Krise bekommen, wenn der Salat angefressen ist. Aber wir versuchen, anders auf diese Tiere zu schauen. Schnecken fressen zum Beispiel auch abgestorbenes Pflanzenmaterial. Und Schnecken sind selbst wieder Futter für andere Tiere.

Bei Blattläusen ist es ähnlich. Viele fürchten sich vor ihnen oder wollen sie sofort loswerden. Dabei sind Blattläuse Futter für Marienkäferlarven und andere Tiere. Wenn der Garten im Gleichgewicht ist, gibt es sogenannte Schädlinge und Nützlinge nebeneinander.

Deshalb ist es wichtig, nicht sofort in Panik zu geraten. Manchmal reicht es, Blattläuse einfach mit dem Finger abzustreifen. Und bei Schnecken schauen wir, wie wir ihnen andere Futterstellen und Lebensräume anbieten können.

4. Was verändert sich durch das Projekt im Klimagarten?

Wir schaffen und erweitern Lebensräume. Es gibt zum Beispiel Insektenhotels, Vogelhäuser, Grashaufen, Zweigstapel und Benjeshecken. Solche Ecken sind wichtig, weil dort viele Tiere Schutz, Nahrung oder Nistmöglichkeiten finden.

Ein Garten muss dafür nicht perfekt aufgeräumt sein – im Gegenteil. Wenn man Gräser und Pflanzenreste klein macht und auf dem Beet liegen lässt, trocknet der Boden nicht so schnell aus. Gleichzeitig finden dort Tiere Nahrung und Unterschlupf. Auch in Zweighaufen oder Holzrahmen mit Erde leben viele kleine Tiere, zum Beispiel Asseln. Die wirken auf manche vielleicht unscheinbar oder sogar etwas eklig, sind aber faszinierend – Asseln atmen zum Beispiel mit Kiemen.

5. Wer kann bei „Darf ich bei dir einziehen?“ mitmachen?

Das Projekt richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, aber auch Familien sind herzlich willkommen. Einmal pro Woche gibt es im Klimagarten eine Familienaktion, zu der man ohne Anmeldung vorbeikommen kann. Zusätzlich gibt es besondere Termine zu einzelnen Themen, zum Beispiel zur Suche nach Lebewesen im Garten.

Auch Kita-Gruppen, Schulklassen oder andere Gruppen können sich anmelden. Manche kommen mit einem bestimmten Thema, zum Beispiel Schmetterlinge oder Lebensräume im Garten. Dann verbinden wir das, was die Kinder vielleicht schon theoretisch gelernt haben, mit dem, was sie hier draußen selbst entdecken können.

Und die Erwachsenen? Die lernen oft gleich mit. Viele hören zu, stellen Fragen oder helfen im Garten. So wird der Klimagarten zu einem Ort, an dem Kinder und Erwachsene gemeinsam Natur erleben, gärtnern und verstehen können, warum auch die kleinsten Mitbewohner wichtig sind.

Hier erfahrt ihr mehr über das Projekt „Darf ich bei dir einziehen“ und über den Klimagarten im Ahnewehrweg. Und wer direkt mitmischen möchte in unserem Findorffer Stadtteilgarten, meldet sich am besten telefonisch/per WhatsApp unter 0421 378 435 84 oder per Mail.